„Ein solches Verhalten ist definitiv rechtswidrig“

nullBei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Racial Profiling“ sprach sich Polizeipräsident Lothar Schömann gegen die Polizeipraxis aus, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu kontrollieren: „Kein Gesetz erlaubt es. Ein solches Verhalten ist definitiv rechtswidrig“. Am Podium haben neben Schömann die Soziologin Astrid Jacobsen und Wolf Buchmann, Vorstandsmitglied des Multikulturellen Zentrums, teilgenommen. Unter den ca. 40 Besuchern befanden sich neben interessierten Bürgern auch betroffene Personen sowie Angehörige der Polizei.

Schömann versicherte auch, dass eine solche Praxis von der Trierer Polizei nicht angewendet würde: „Dass eine solche Kontrolle willkürlich erfolgen würden, nur weil die Leute eine dunkle Hautfarbe haben, das muss ich aus der heutigen Polizeipraxis streichen, zumindest sag ich das für das Polizeipräsidium Trier und hoffe auch, dass ich nie in diesem Punkt widerlegt werde.“ Dieser Einschätzung widersprach ein Besucher der Veranstaltung. Er sei noch nie so oft kontrolliert worden wie in Trier. „Man wird unverschämt behandelt“, berichtete der Betroffene über das Vorgehen der Polizei.

Im Publikum war auch der Leiter der Bundespolizeiinspektion Trier anwesend. Er versicherte auch die Bundespolizei würde diese Fahndungsmethode nicht anwenden und verwies darauf, dass es in diesem Jahr nur 4 Beschwerden im Zusammenhang mit verdachtsunabhängigen Kontrollen gegeben hat. Andere Besucher wiesen allerdings darauf hin das es für viele Menschen ein hohe Hürde darstellen würde gegen einen Polizeibeamten Beschwerde einzulegen. Wolf Buchmann kennt die Berichte von Schülern, die Deutschkurse im Multikulturellen Zentrum Trier besuchen. Mitunter werden diese mehrfach täglich kontrolliert, das vor allem am Trierer Bahnhof. Der Jurist Buchmann fordert daher ein gesetzliches Verbot von Racial Profiling. Die Praxis fördere rassistische Vorurteile in der Bevölkerung, da im öffentlichen Raum überdurchschnittlich viele Menschen anderer Hautfarbe kontrolliert würden. Auch die Soziologin und Polizeiwissenschaftlerin Astrid Jacobsen hatte ein bezeichnendes Beispiel parat: Einer ihrer Studenten mit Migrationshintergrund stellte sich auf einer Polizeiwache für ein Praktikum vor und musste vor dem Vernehmungszimmer warten.

Eine Audioaufzeichnung der Podiumsdiskussion werden wir in Kürze zur Verfügung stellen.





wbr/shoutbox