Straßenaktion zum Auftakt der Kampagne

nullAm heutigen Freitag Nachmittag fand der Auftakt der Kampagne des Multikulturellen Zentrums Trier für ein Verbot rassistischer Polizeikontrollen in Form eines interaktiven Straßentheaters statt. Mitglieder des Multikulturellen Zentrums verkleideten sich als Sicherheitskräfte und führten Personenkontrollen bei Menschen durch, die in der Regel nicht in das Raster rassistischer Polizeikontrollen fallen. Schnell wurden die Betroffenen dann aufgeklärt, welchen Hintergrund die Aktion hat. So wurden die Triererinnen und Trierer auf das Problem des sogenannten „Racial Profiling“ aufmerksam gemacht und auf die am kommenden Donnerstag um 19:30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion im Warsberger Hof beginnende Veranstaltungsreihe hingewiesen.
Als Racist oder Racial Profiling wird das Vorgehen v.a. der Bundespolizei bezeichnet, wonach verdachtsunabhängige Kontrollen vorrangig bei Personen durchgeführt werden, die gezielt nach ihrer Hautfarbe oder anderen äußerlichen Merkmalen als selektiert werden. Diese rassistische Praxis wurde am 28. Februar vom Verwaltungsgericht Koblenz für zulässig erklärt. Die Kampagne „Im rassistischen Raster – Racial Profiling stoppen!“ richtet sich explizit gegen dieses Urteil und fordert unter anderem ein gesetzliches Verbot rassistischer Polizeikontrollen.

Die Reaktionen auf die vermeinlichen Kontrollen am Trierer Hauptbahnhof und in der Fußgängerzone waren sehr unterschiedlich. „Viele zeigten anstandslos ihren Ausweis vor. Das hat uns selbst sehr überrascht!“, so der Versammlungsleiter Wolf Buchmann.
Als die Menschen darüber aufgeklärt wurden, warum diese Aktion stattfindet, waren viele überrascht und empört darüber, dass es rassistische Polizeikontrollen in Deutschland überhaupt gibt und zeigten sich interessiert an der Kampagne. „Alle Kontrollierten bezeugten, dass sie selbst als „Weiße“ fast nie von Personenkontrollen durch die Polizei betroffen sind. Andere Menschen, die wir auf die Kampagne aufmerksam gemacht haben und die ansonsten in das rassistische Raster der Polizei fallen würden, freuten sich über die Kampagne, da sie selbst häufig von diesen polizeilichen Kontrollen betroffen seien“, sagt Johanna Blumfeldt, eine Beteiligte am Straßentheater. „Die Aktion war ein gelungener Auftakt für die Kampagne und erhielt sehr viel positive Resonanz. Viele Menschen waren sehr offen und interessiert am Thema Racist Profiling“, so der Pressesprecher Fabian Jellonek.

Weiter mit der Kampagne geht es am kommenden Donnerstag, 26. Juli um 19:30, mit einer Podiumsdiskussion im Warsberger Hof zum Thema „Racial Profiling“ mit Lothar Schömann, Polizeipräsident Trier, Prof. Dr. Astrid Jacobsen, Soziologin an der Polizeiakademie Niedersachsen und Wolf Buchmann, Multikulturelles Zentrum Trier.
Weitere Vorträge folgen am 14. August, 19:30 Uhr im Kulturcafé Kokolores „Rassismus in Polizei und Justiz – Ausnahme oder Ausdruck gesellschaftskonformen Handelns?“ mit Bipblab Basu von der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt/ReachOut, und am 31. August, ebenfalls um 19:30 Uhr im Kulturcafé Kokolores „Rassismus im Recht – rassistische Gesetzgebung?“ vom Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen. Ein weiterer Vortrag der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh findet voraussichtlich im September statt.





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